Das Streckblasformen ist die kritischste Phase bei der Herstellung von PET-Behältern und grundsätzlich ein komplexer Prozess der molekularen Kettenorientierung und Kristallisation. Dieser Prozess verwandelt vorinjizierte, amorphe Preforms durch präzises thermisches und mechanisches Dehnen in biaxial orientierte Behälter mit hoher Festigkeit, hervorragender Klarheit und überlegenen Sperrstoffeigenschaften. Um optimale Fertigungsergebnisse zu erzielen, ist ein systematisches Verständnis der gesamten Wissenskette erforderlich – von der Polymerphysik bis zur Automatisierungssteuerung.
I. Werkstoffkunde, thermische Vorgeschichte und Lagerdynamik
PET-Struktur und Eignung für das Blasformen:
Polyethylenterephthalat (PET) ist ein teilkristallines Polymer. Eine erfolgreiche Spritzblasformung hängt davon ab, das Material innerhalb des spezifischen Temperaturbereichs (zwischen der Glasübergangstemperatur, Tg, und der Kristallisationstemperatur, Tc) in seinen idealen gummielastischen Zustand zu erhitzen, um eine molekulare Orientierung zu ermöglichen. Die orientierten Molekülketten werden beim Abkühlen „eingefroren“, wodurch die mechanische Festigkeit und Kriechfestigkeit des Materials deutlich verbessert werden.
Rohstoffauswahl und Qualitätskontrolle:
Reiner Rohstoff: Es müssen getrocknete PET-Granulate in Flaschenqualität mit einem Feuchtigkeitsgehalt unter 50 ppm verwendet werden. Überschüssige Feuchtigkeit führt während des Erhitzens zur Hydrolyse, wodurch die Molekülketten gespalten werden, die Intrinsische Viskosität (IV) stark abnimmt und spröde Flaschen entstehen.
Recycelter Werkstoff (rPET): Bei der Verwendung von lebensmitteltauglichem rPET müssen neben dem Anteil und der Anzahl der Recyclingzyklen auch der IV-Wert und die Farbdifferenz gegenüber Neuware genau überwacht werden. Inkompatibles rPET kann zu optischen Fehlererscheinungen wie „Streifen“ oder „Mottle“ führen und mikroskopische Spannungskonzentrationsstellen erzeugen.
Grundlegende Prinzipien von Vorform Speicher:
Spannungsrelaxation: Spritzgegossene Vorformen enthalten eingefrorene Orientierungsspannungen und Volumenspannungen. Eine Lagerung von mehr als 48 Stunden ermöglicht es, dass diese Spannungen durch mikroskopische brownsche Bewegung der Polymerkettenabschnitte vollständig abgebaut werden.
Verhinderung von Präkristallisation: Wenn die Umgebungstemperatur während der Lagerung zu hoch ist (z. B. dauerhaft über 40 °C), kann dies eine unkontrollierte Präkristallisation auslösen. Dies verursacht eine Oberflächen„Weißung“ beim Aufheizen und erschwert das Blasen der Vorform.
II. Thermodynamische Prinzipien von Heiz- und Kühlsystemen
Synergetische Strategie der Mehrzonenheizung: Moderne Öfen mit mehreren unabhängig voneinander gesteuerten Heizzonen (typischerweise 6 bis 10) sind entscheidend für eine präzise Erhitzung.
Steuerung der oberen, mittleren und unteren Zone: Ermöglicht differenzierte Erhitzung für spezifische Vorformabschnitte. Der obere Bereich (Flaschenhals) benötigt eine niedrigere Temperatur, um eine Verformung dieser bereits kristallisierten Struktur zu vermeiden. Der mittlere Bereich (Körper) erfordert die höchste Temperatur für optimale Dehnbarkeit. Der untere Bereich (Boden) benötigt eine moderate Temperatur, damit sich das Material dehnen lässt, ohne übermäßig dünn zu werden.
Synergie aus Infrarotstrahlung und Heißluftumwälzung: Ferninfrarotstrahlung liefert durchdringende Wärme, die die Temperatur tief innerhalb der Vorformwand beeinflusst. Zwangsgeführte Heißluftumwälzung gleicht die Oberflächentemperatur aus und kompensiert Schwankungen, die durch den Abstand zur Strahlung und Abschattung der Vorform entstehen.
Fortgeschrittene Anwendungen in der Kühlsystemtechnik:
Innere Kühlung: Neben flüssigem Stickstoff oder kalter, druckluftbetriebener Kühlung verwenden fortschrittlichere Systeme doppelwandige Formen mit einem Kühlmittel (z. B. gekühltes Wasser), das durch den Hohlraum zirkuliert und eine schnelle Wärmeabfuhr von innen nach außen ermöglicht.
Kristallinitätskontrolle: Die Abkühlgeschwindigkeit bestimmt direkt die endgültige Kristallinität von PET. Schnelles Abkühlen (Abschrecken) unterdrückt das Kristallwachstum und führt zu hoher Transparenz. Langsames Abkühlen ermöglicht die Bildung großer Sphärolithe, wodurch Trübung und Sprödigkeit zunehmen.
III. Regelung mit geschlossenem Regelkreis der Prozessparameter und Fehlerkartierung
Optimierung des Streckstangen-Bewegungsprofils:
Die Streckstange ist nicht nur ein mechanisches Werkzeug zum Dehnen; ihr Geschwindigkeitsprofil ist entscheidend für die Kontrolle der Materialverteilung.
Geschwindigkeitsprofil: Ein „S-Kurven“-Profil (Langsam-Schnell-Langsam) ist oft optimal. Eine anfänglich niedrige Geschwindigkeit gewährleistet eine gründliche Dehnung des Vorformlingsbodens. Eine hohe Geschwindigkeit in der Mittelphase ermöglicht eine effiziente molekulare Ausrichtung. Eine abschließend niedrige Geschwindigkeit verhindert den Aufprall auf den Formboden und vermeidet so das Einschnüren des Bodens oder Dickenvariationen.
Druck-Zeit-Modell für Vorbäumung und Endbäumung:
Dies ist der Kern der „Formgeschichte“ der Flasche.
Vorbäumung: Wird kurz vor dem Kontakt des Streckstabs mit dem Boden ausgelöst und erzeugt ein „Gaspolster“, um zu verhindern, dass die Parison an sich selbst haftet. Unzureichender Druck verursacht Dellen im Körper; zu hoher Druck kann die Parison zerreißen.
Verzögerungsbäumung: Eine kurze Pause, nachdem der Streckstab seine Endposition erreicht hat, aber vor der Endbäumung, wodurch das Material unter niedrigem Druck endgültig entspannen und sich verteilen kann, was die Gleichmäßigkeit der Wanddicke in Schultern und Boden verbessert.
Endbäumung: Erzeugt den maximalen Druck (typischerweise 25–40 bar), um das Material mit hohen Dehnraten gegen den Formhohlraum zu pressen, feine Oberflächendetails exakt abzubilden und die Form durch Abkühlung sofort festzulegen.
Analyse der Ursachen und Gegenmaßnahmen bei typischen Fehlern:
Fehlerphänomen |
Mögliche Ursache(n) |
Systematische Lösung(en) |
Aufhellen an der Basis |
1. Vorweitung zu früh / Übermäßiger Druck 1. Vorformtemperatur an der Basis zu niedrig 3. Streckstangen-Geschwindigkeit zu hoch |
1. Vorweitungszeitpunkt verzögern, Vorweitungsdruck reduzieren 2. Temperatur in den unteren Ofenzonen erhöhen 3. Geschwindigkeitsprofil der Streckstange optimieren |
Körperfalten |
1. Vorweitung zu spät / Unzureichender Druck 2. Gesamt- oder lokale Vorformtemperatur zu niedrig 3. Fehlanpassung zwischen Streckstangen-Geschwindigkeit und Druckluft-Timing |
1. Vorverlagerung des Vorblass-Timings, Erhöhung des Vorblass-Luftvolumens 2. Überprüfen und Kalibrieren der Temperatur in den betreffenden Ofenzonen 3. Neuabstimmung der Reihenfolge von Streckstange und Druckluft |
Interne Perlglanzbildung / Trübung |
1. Übermäßige Materialdehnung (insbesondere in dünnen Bereichen) 2. Materialverunreinigung oder -degradation 3. Unangemessene Abkühlgeschwindigkeit, die Mikrokristallisation verursacht |
1. Reduzierung der Temperatur in den Ofenzonen, die dünnen Wänden entsprechen 2. Überprüfen Sie die Materialreinheit und die Trocknerleistung 3. Optimieren Sie den internen Kühlungsdruck und die Dauer |
Exzentrische Basis |
1. Fehlausrichtung zwischen Streckstange und Form 2. Ungleichmäßige Spannkraft 3. Zu großer Spiel zwischen Flaschenhals und Spannvorrichtung |
1. Regelmäßige Konzentrizitätsausrichtung von Form und Streckstange durchführen 2. Spannsystem prüfen und warten 3. Maßtoleranzen des Vorformlings und Verschleiß der Spannvorrichtung überprüfen |
IV. Intelligente Fertigung und Nachhaltigkeit für Industrie 4.0
· Datenbasierte Prozessoptimierung:
MES (Manufacturing Execution System): Die Integration eines MES ermöglicht die Echtzeitüberwachung und -dokumentation von Produktionsdaten (Zykluszeit, Heizertemperaturen, Druckprofile usw.) für jede Maschine und jeden Werkzeug, wodurch eine vollständige Rückverfolgbarkeit gewährleistet ist.
Maschinelles Lernen Anwendung :Durch die Sammlung großer Mengen an Prozessparametern und Qualitätsdaten des Endprodukts können KI-Modelle trainiert werden, um optimale Prozessfenster vorherzusagen und Parameter sogar automatisch im Voraus anzupassen, bevor Fehler auftreten.
· Werkzeugintelligenz und schnelle Reaktionsfähigkeit:
Einzelne Werkzeugtemperaturregelung: Die Integration unabhängiger, präziser Temperiergeräte für verschiedene Werkzeugbereiche ermöglicht differenzierte Kühlstrategien und damit eine feinere Steuerung von Kristallisation und Schwindung.
Schnellwechselsysteme (QMC): Durch den Einsatz standardisierter Schnittstellen und hydraulischer Verriegelung können Produktwechselzeiten auf Minuten reduziert werden, was die Produktionsflexibilität erheblich verbessert.
· Energieeinsparung und Wege zur Kohlenstoffneutralität:
Energierückgewinnungssysteme: Die Nutzung der durch den Blasformkompressor erzeugten Abwärme zur Vorheizung von Vorformlingen oder zur Raumheizung kann den Energieverbrauch um über 20 % senken.
Leichtbau-Design: Mithilfe von CAE-Software für die Topologie- und Wanddickenoptimierung lässt sich das Flaschengewicht kontinuierlich reduzieren, ohne die Festigkeit zu beeinträchtigen, wodurch der Kunststoffverbrauch bereits an der Quelle verringert wird.
Diese umfassend erweiterte Version zielt darauf ab, ein ganzheitliches Wissensframework aufzubauen, das von der mikroskopischen Werkstoffkunde bis hin zu makroskopischen intelligenten Fertigungssystemen reicht, und soll Ihnen und Ihrem Team eine tiefgreifende Referenzgrundlage bieten. Gerne stehe ich auf Anfrage für weitere Details zu jedem spezifischen Teilthema zur Verfügung.